Das Einstecktuch ist zurück: s.Oliver plant verspielte Spießer

textureDer "Pochette"-Trend findet immer mehr Anhänger. Auch s.Oliver folgt mittlerweile dem Zeitgeist und verhilft dem Einstecktuch zu einem Comeback. Das deutsche Modelabel hofft dabei mit einer gewagten Strategie punkten zu können: Die Männer, die sich für die Modelle des Hauses entscheiden, sollen zu "verspielten Spießern" werden. Die Rechnung könnte aufgehen, wird der "Pochette"-Trend doch wesentlich von jungen Herren getragen, die ganz modebewusst sowohl lässig als auch elegant erscheinen möchten.

Pochette: Die Biedermeier sind zurück

Der Ausdruck "Pochette" stammt aus Frankreich und bezeichnet eigentlich eine "kleine Tasche". Nichtsdestotrotz wird darunter heute gemeinhin ein Einstecktuch verstanden, dass sich in der kleinen Brusttasche eines Sakkos bzw. einer Anzugjacke befindet. Bis vor wenigen Jahren waren die Tücher Hochzeiten sowie älteren Herren und extrovertierten Designern vorbehalten. Diese orientierten sich dabei stets an den ursprünglichen Modellen, die im 19. Jahrhundert aufkamen. Damals handelte es sich um vornehme weiße oder graue Tücher, die vor allem vom Bürgertum getragen wurden. Es war die Biedermeier-Ära und den Einstecktüchern haftete deshalb fast bis in unsere Tage der Geruch der Spießbürger an.

Seit einiger Zeit hat sich dies allerdings geändert. Viele jüngere Männer haben das Einstecktuch für sich entdeckt. Um sich von Biedermeier und dem Spießbürgertum abzusetzen, wurde der neue Trend kurzerhand "Pochette" getauft. Die Tücher sollen jetzt ein Outfit Eleganz verleihen, aber auch lässig wirken. Eine beliebte Kombination ist beispielsweise Einstecktuch, Sakko und Jeans. Dabei muss die Hose "nicht einmal unbedingt im besten Zustand sein", wie Beobachter der Szene bemerkten, als der neue Trend aufkam. Aber es ist nicht nur dieser Mix, der es den Einstecktüchern ermöglichte, sich gekonnt von ihren Vorgängern abzusetzen und ein gelungenes Comeback zu feiern. Die neuen Tücher beweisen Mut zur Farbigkeit und zu ausgefallenen Muster.

Die Mode von s.Oliver glaubt an Streifen und das Farbenspiel

Dieser Trend zu mehr Farbigkeit wurde auch durch die Mode von s.Oliver befördert. Das Haus hatte, als der "Pochette"-Trend aufkam, als eines der ersten Labels verstanden, dass es sich nicht nur um ein Kurzzeitphänomen handelt und von Anfang an Tücher entworfen, die besondere Muster und Farben aufwiesen. "Verspielt und flexibel" sollten die eigenen Einstecktücher sein, ließ das Haus diesbezüglich wissen. Faktisch setzt die diesbezügliche Mode von s.Oliver vor allem auf Streifen und die unternehmenstypischen Farben Blau, Rot, Gelb und Grün. Dieser Mix sollte für die nötige Lässigkeit sorgen. Häufig ist bei den Entwürfe von s.Oliver zudem auch ein Mix zu beobachten: So wechselt sich beispielsweise ein dunkles Rot mit Schwarztönen immer wieder ab. Beide Farben gelten als seriös und elegant, weisen durch ihren Wechsel aber auch eine verspielte Note auf.

Ein Blick voraus

Freude der klassischen Tücher sollen künftig allerdings auch passende Angebote erhalten. Vor allem weiße Einstecktücher sollen die Mode von s.Oliver erweitern und dem "Pochette"-Trend möglicherweise eine neue Richtung geben. Nicht wenige Label, die vor allem von jungen Leuten gekauft werden, sehen auf diese Weise nämlich auch die Chance, in ältere Käuferschichten vorzustoßen, die ihnen bislang verschlossen waren.